RÜCKBLICK:
Das Anmeldeformular ist komplett ausgefüllt. Es fehlt nur ein letzter Klick auf den Bestätigungs-Button. NUR!!! Wir schreiben Donnerstag, den 28. Februar 2008 - circa 23.30 Uhr. Ich sitze vor meinem Rechner und blicke nervös auf den Bildschirm...
Nervös unter anderem aufgrund der Tatsache, dass ich das Formular bewusst falsch ausgefüllt, sozusagen arglistige Täuschung begangen habe. Ich habe meinen Wohnort von der Schweiz wieder zurück nach Seeheim verlagert. Der Grund ist, dass Nicht-EU-Bewohner (auch Schweizer) einen Betrag von 55 Euro als Startgeld zahlen müssen, EU-Einwohner hingegen nur 50 Euro. In solchen Fällen kommt einfach der Controller in mir hoch. Ich kann nur hoffen, dass niemand diesen Blog auf CD brennt und sie an den BND verscherbelt. Ich habe derzeit wirklich schon genug Ärger damit, mein ganzes Geld in Lichtenstein umzuschichten. Was im übrigen auch einer der Gründe ist, warum ich diese 5 Euro Differenz dringend einsparen muss… Aber das nur nebenbei. Zurück zu meinem Formular:
Noch einmal kurz durchatmen, bevor ich einen Strich unter die Geschichte mache und mich mir selbst gegenüber endgültig committe. In den Sekunden des Überlegens, was dieser *klick* nun alles verändern wird, bekomme ich Knieschmerzen. Die habe ich schon seit ein paar Tagen. Ebenfalls tut mir seit Montag die rechte Ferse weh. Beides sind für mich aber eindeutige Indizien dafür, dass ich es nicht geschafft habe, meinen ganzen Körper von einer konstruktiven Zusammenarbeit zu überzeugen. Ich empfinde dieses Schmerzen als einen ganz billigen Versuch einiger Körperteile, mir diesen Spaß im letzen Augenblick auszutreiben. Tatsächlich denke ich darüber nach, die Entscheidung zu vertagen und für circa eine Woche Knie und Ferse genauer zu beobachten. Dann fällt die Entscheidung aber doch recht schnell nach dem reinen Mehrheitsprinzip: was zählt ist die Mission.
Schliesslich werden Entscheidungen selten einstimmig getroffen. Frau Ypsilanti würde sich ja auch von den Kommunisten zur Ministerpräsidentin wählen lassen. Wieso sollte ich mich also von Knie und Ferse aufhalten lassen? Wer brauch schon Ferse und Knie beim Laufen? Mehrheit ist Mehrheit. Und die Mehrheit meiner Knochen, Gelenke, Muskeln und was sich sonst noch so in mir rumtreibt, ist pro Marathon eingestellt. Mein rechter Zeigefinger geht mit gutem Beispiel voran….
*KLICK*
Fuck, was hab ich gemacht? Ich Vollidiot!!! In diesem Moment habe ich das Gefühl, dass die Schmerzen in der Ferse chronisch sind und stärker werden. Auf der anderen Seite kommt in mir ein explosionsartiger Motivationsschub auf und ich bin glücklich und zufrieden mit meinem Entschluss. Meine Beine (ausdrücklich NICHT meine linke Ferse und mein rechtes Knie) treiben mich dazu, sofort rauszugehen und loszulaufen. Allerdings haben Beine nun mal keine Augen und sehen nicht, dass es stockdunkel ist und regnet. In diesem Punkt finden meine Beine also keine qualitative Mehrheit.
GEGENWART:
Heute war mein letzter Tag in echter „Freiheit“. Am morgigen Samstag stehen die letzten Vorbereitungen für mein Training an, bevor dieses dann am Sonntag ENDLICH eingeläutet wird. Auf dem Plan steht morgen die Ermittlung meines "HFmax" - also meiner maximalen Herzfrequenz. Diese ist ein wesentlicher Orientierungspunkt des kommenden Trainings. Aber dazu morgen mehr...
Unglaublich: vor nicht einmal einer Woche ist diese Idee erst konkret geworden und heute ist das ganze Abenteuer (obwohl es noch gar nicht richtig angefangen hat) für mich gar nicht mehr wegzudenken…


