Freitag, 29. Februar 2008

Nur noch auf "Bestätigen" klicken - MACH SCHON!!!

RÜCKBLICK:

Das Anmeldeformular ist komplett ausgefüllt. Es fehlt nur ein letzter Klick auf den Bestätigungs-Button. NUR!!! Wir schreiben Donnerstag, den 28. Februar 2008 - circa 23.30 Uhr. Ich sitze vor meinem Rechner und blicke nervös auf den Bildschirm...

Nervös unter anderem aufgrund der Tatsache, dass ich das Formular bewusst falsch ausgefüllt, sozusagen arglistige Täuschung begangen habe. Ich habe meinen Wohnort von der Schweiz wieder zurück nach Seeheim verlagert. Der Grund ist, dass Nicht-EU-Bewohner (auch Schweizer) einen Betrag von 55 Euro als Startgeld zahlen müssen, EU-Einwohner hingegen nur 50 Euro. In solchen Fällen kommt einfach der Controller in mir hoch. Ich kann nur hoffen, dass niemand diesen Blog auf CD brennt und sie an den BND verscherbelt. Ich habe derzeit wirklich schon genug Ärger damit, mein ganzes Geld in Lichtenstein umzuschichten. Was im übrigen auch einer der Gründe ist, warum ich diese 5 Euro Differenz dringend einsparen muss… Aber das nur nebenbei. Zurück zu meinem Formular:

Noch einmal kurz durchatmen, bevor ich einen Strich unter die Geschichte mache und mich mir selbst gegenüber endgültig committe. In den Sekunden des Überlegens, was dieser *klick* nun alles verändern wird, bekomme ich Knieschmerzen. Die habe ich schon seit ein paar Tagen. Ebenfalls tut mir seit Montag die rechte Ferse weh. Beides sind für mich aber eindeutige Indizien dafür, dass ich es nicht geschafft habe, meinen ganzen Körper von einer konstruktiven Zusammenarbeit zu überzeugen. Ich empfinde dieses Schmerzen als einen ganz billigen Versuch einiger Körperteile, mir diesen Spaß im letzen Augenblick auszutreiben. Tatsächlich denke ich darüber nach, die Entscheidung zu vertagen und für circa eine Woche Knie und Ferse genauer zu beobachten. Dann fällt die Entscheidung aber doch recht schnell nach dem reinen Mehrheitsprinzip: was zählt ist die Mission.

Schliesslich werden Entscheidungen selten einstimmig getroffen. Frau Ypsilanti würde sich ja auch von den Kommunisten zur Ministerpräsidentin wählen lassen. Wieso sollte ich mich also von Knie und Ferse aufhalten lassen? Wer brauch schon Ferse und Knie beim Laufen? Mehrheit ist Mehrheit. Und die Mehrheit meiner Knochen, Gelenke, Muskeln und was sich sonst noch so in mir rumtreibt, ist pro Marathon eingestellt. Mein rechter Zeigefinger geht mit gutem Beispiel voran….

*KLICK*

Fuck, was hab ich gemacht? Ich Vollidiot!!! In diesem Moment habe ich das Gefühl, dass die Schmerzen in der Ferse chronisch sind und stärker werden. Auf der anderen Seite kommt in mir ein explosionsartiger Motivationsschub auf und ich bin glücklich und zufrieden mit meinem Entschluss. Meine Beine (ausdrücklich NICHT meine linke Ferse und mein rechtes Knie) treiben mich dazu, sofort rauszugehen und loszulaufen. Allerdings haben Beine nun mal keine Augen und sehen nicht, dass es stockdunkel ist und regnet. In diesem Punkt finden meine Beine also keine qualitative Mehrheit.

GEGENWART:

Heute war mein letzter Tag in echter „Freiheit“. Am morgigen Samstag stehen die letzten Vorbereitungen für mein Training an, bevor dieses dann am Sonntag ENDLICH eingeläutet wird. Auf dem Plan steht morgen die Ermittlung meines "HFmax" - also meiner maximalen Herzfrequenz. Diese ist ein wesentlicher Orientierungspunkt des kommenden Trainings. Aber dazu morgen mehr...

Unglaublich: vor nicht einmal einer Woche ist diese Idee erst konkret geworden und heute ist das ganze Abenteuer (obwohl es noch gar nicht richtig angefangen hat) für mich gar nicht mehr wegzudenken…

Donnerstag, 28. Februar 2008

Es kann losgehen…. BALD!!!

In meinen Füßen kribbelt es und ich will einfach nur raus um keine Sekunde zu verlieren bei der Erreichung meines ehrgeizigen Ziels. Allerdings sind vorab noch einige Rahmenbedingungen zu schaffen, bis die Vorbereitung seriös angegangen werden kann. Da der Trainingsplan maßgeblich auf dem exakten abspulen von Kilometern beruht, muss ich als erstes meine zukünftige Trainingsrunde bestimmen. Um diese zu ermitteln, brauche ich aber einen Fahrrad-Tachometer, den ich natürlich nicht habe.

Getreu dem Motto: „Nieder mit den Warenhäusern; support your local Fahrradfachgeschäft“ fuhr ich zu „Bike Zone“ nach Windisch um ein solches Prachtstück zu ergattern. Nach kurzer Überlegung änderte ich meine Philosophie dann allerdings, hin zu einem „Support your local lichtensteiner Stiftung“. 70 CHF für einen Tachometer, der de facto nur für eine Fahrt benötigt wurde, war einfach zu unwirtschaftlich Also fuhr ich doch zur Migros (35 CHF). Da der Verkäufer im Fahrradladen allerdings sehr nett und verständnisvoll wahr, kann ich besten Gewissens hier ein wenig Werbung für die „Bike Zone“ machen:

http://www.bikezone.ch/

Der Tacho war verhältnismäßig schnell montiert, bis er funktionierte dauerte hingegen deutlich länger. Nachdem die technischen Probleme behoben waren, fehlte lediglich noch die Einrichtung des Geräts. Diese scheiterte am Radumfang, den ich leider nicht bestimmen konnte. Dafür brauch man einen aufgepumpten Vorderreifen, einen Zollstock und Kreide. Immerhin – Kreide hatte ich vorrätig. Am Mittwochabend ging es also nochmal zu Migros. Luftpumpe und Zollstock wechselten für 12,10 CHF den Eigentümer und ich konnte endlich meinen Radumfang ausmessen. Da das Fahrrad schon mal oben war, nahm ich dies direkt im Schlafzimmer vor…

Der Radumfang beträgt 2,111 Meter, was nun endlich auch mein Tachometer weiß. Somit ist der Weg frei für die Ausmessung meiner Laufrunde. Meinem Zeitplan entsprechend werde ich vermutlich am Sonntag dazu kommen, die 10km-Runde zu bestimmen und auszumessen. Das Herzstück meines Trainings beginnt also am Sonntag. Meine Vorfreude wächst. Bis es losgehen kann, ist allerdings noch einiges vorzubereiten…

„HÄ?“ oder die Frage: Warum tut man sowas?

Was einen normalen Menschen dazu bewegen kann, freiwillig über 42 000 Meter unter Wettkampfbedingungen zu laufen, ist wohl wirklich schwer zu erklären. Bei mir lässt sich das Thema wohl am ehesten angehen, wenn man das Wort „normal“ einer sachlichen Analyse unterzieht. Aber da ich nun nicht alle Marathon-Läufer als abnormal bezeichnen will, muss es ja noch weitere Erklärungen geben.

Fakt ist: hätte mir vor 6 Monaten jemand gesagt, dass ich im Oktober 2008 einen Marathon laufen werde, hätte ich ihn ausgelacht. Was im übrigen auch die überwiegende Reaktion in meinem Umfeld war, als ich mein Vorhaben zur Sprache gebracht habe :-)

Was den Ausschlag gegeben hat, ist schwer zu sagen. Am Anfang stand eindeutig mein Wunsch mir selbst zu beweisen, dass ich es könnte, wenn ich nur wollte. Etwas anzugehen, dass in scheinbar unerreichbarer Entfernung ist, hat mich schon außerordentlich gereizt. Man sagt ja gerne, dass man mit reinem Willen alles erreichen kann. Ich bin zumindest der Meinung, dass das auf einen Marathon zutrifft. Weiterhin könnte ich es gut vertragen, das ein oder andere Kilo abzunehmen (Stichwort: Gammelfleisch!) Und da es mir mein Privatleben zeitlich erlaubt, täglich mehrere Stunden meine Knochen auf überhartem Asphalt zu ruinieren, wuchs die Idee in den letzen 3-4 Monaten langsam aber sicher heran. Ein Auge geworfen hatte ich dabei am ehesten auf den Zürich-Marathon im April 2009.

Letzte Woche ließ ich das erstmals in der näheren Familie verlauten und bekam von Andrea und Marc weitere Motivation. Marc als „alter Fuchs der Marathon-Lauf-Szene“ musste letztendlich nicht allzu große Überzeugungsarbeit leisten, um mich endgültig anzufixen… Den Erzählungen von Training, Lernfortschritt, Motivation und Zielerreichung konnte ich nicht widerstehen. Am Samstag, den 23. Februar 2008 gegen 21 Uhr war das Thema für mich damit fast beschlossene Sache. Nur am Termin 2009 kam Kritik von meinem persönlichen Marathon-Berater. Marathon im April bedeutet nun mal Haupttrainingszeit im Winter – bei Dunkelheit und Kälte. So ließ ich mich dann auch nach einigen Zweifeln für den Berlin-Marathon im September 2008 breitschlagen; auch wenn mir das plötzlich alles viel zu konkret und vor allem kurzfristig wurde. Aber auch beim Berlin-Marathon blieb es nicht, da Ende September große Teile des „4565 Supporters Club“ urlaubstechnisch im Ausland verweilen, unter anderem das jüngste Mitglied Ben. Das konnte ich natürlich so nicht akzeptieren, bin ich doch Respektsperson mit Vorbildsfunktion für den Kleinen…

Also fiel die Entscheidung auf den „Dresdner-Kleinwort Frankfurt Marathon“ am 26. Oktober 2008.

Auf der Zugfahrt zurück in die Schweiz habe ich dann das Marathon-Buch (vielen Dank, Andrea!) geradezu verschlungen und schon in der Nacht auf Montag von anaeroben Schwellen, ATP, HFmax, VO²max, Intervallläufen und Superkompensation geträumt. Aber zu diesen ganzen Begriffen dann im Lauf dieses Blogs mal mehr – alles zu seiner Zeit…

Alles was ich in dem Buch nicht verstanden hatte (was ne ganze Menge war – maßgeblich einige der oben erwähnten Begriffe), ließ ich mir dann am Montag Abend exklusiv von Robin erklären, der als Sport-LK´ler und Sport-Student der optimale Ansprechpartner war. Ihn hatte es geschäftlich nach Zürich verschlagen, wo er mir geduldig Rede und Antwort stand. Nun kenne ich mich auch einigermaßen gut mit den sportbiologischen (?) Hintergründen aus, also alles was Energieversorgung und –Verbrennung, aerobe und anaerobe Bereiche, sowie den generellen Aufbau von Kondition betrifft. Vielen Dank dafür, Robin!

Der Kölner Student ist damit ganz nebenbei in die Rolle meines sportmedizinisch/sportbiologischen Ansprechpartners gerutscht – ob es ihm passt oder nicht. Er übernimmt auch die komplette Verantwortung für mein gesundheitliches Wohlergehen – schließlich wäre es als Sportstudent seine ethische Pflicht und Verantwortung gewesen, mich davon abzuhalten. Er hat es nicht getan! Wie auch immer….

Ergo: Verkäufer von dubiosen, leistungssteigernden Mitteln wenden sich bitte an Robin; während Sponsorenanfragen direkt an meinen Marathon-Berater Marc zu richten sind.

Mein Buch sagt: „Keine Zeit gibt es nicht, das ist ein heiliger Grundsatz beim Marathontraining.“ Leider findet sich dieser Absatz nur im Marathon-Buch; in meinem Arbeitsvertrag suche ich ihn vergeblich. Und der Zeitraum meiner Haupttrainingszeit (August bis Oktober) ist erfahrungsgemäß kein allzu ruhiger im Controlling! Daher habe ich am Dienstag meinen Chef von meinem Vorhaben in Kenntnis gesetzt, der zwar skeptisch ob meiner Voraussetzungen war, aber ansonsten keine Einwände hatte.

Der Weg war frei und mein Wille stärker denn je!

Es kann losgehen....JETZT!!!

42,195

„Vielen Dank für Ihre Anmeldung zum 27. Dresdner Kleinwort Frankfurt Marathon (26.10.2008). Für den Fall von Rückfragen notieren Sie sich bitte ihre Buchungsnummer xxxxx-xxxxxx“.


Gerade einmal zwei kleine Sätze sind es, die eine grundlegende Veränderung in meinem Leben (zunächst einmal für die nächsten 6 Monate) einläuten. Nun gibt es kein zurück mehr. Die Anmeldung ist bestätigt und die Gebühr von 50 Euro hat mein Konto verlassen. Wenn ein Controller so was tut, dann meint er es absolut ernst! Wenn ich Geld sinnlos verschwenden will, setze ich es bekanntlich bei BWIN auf den 1. FC Nürnberg. Mit anderen Worten: ich will es wirklich wissen und werde die nächsten 6 Monate meines Lebens neben dem üblichen Tagesgeschäft in erster Linie auf die Marathon-Vorbereitung ausrichten.

Mein Marathon-Buch empfiehlt, ein Trainings-Tagebuch zu führen, da es einerseits motiviert und zudem eine interessante (und später amüsante) Lektüre darstellt. Was spricht also dagegen, dies direkt in einem Blog zu tun und allen Leuten die es interessiert zur Verfügung zu stellen. Ganz nebenbei (er)spare ich mir damit die Zeit und das Ärgernis, ständig mit Euch telefonieren zu müssen. Für derlei Späße habe ich in Zukunft nämlich keine Zeit mehr. Und trotzdem seid Ihr (mehr oder weniger) permanent über mein Wohlergehen informiert. Es gibt also nur Gewinner!!!

Viel Spaß beim Lesen und für Rückfragen stehe ich natürlich jederzeit gerne zur Verfügung!

El Riccola

"Wenn du laufen willst, laufe einen Kilometer. Wenn du ein neues Leben beginnen möchtest, laufe einen Marathon" [Emil Zátopek]