Nachdem ich den Morgen und Mittag bei Ben verbracht habe (der sich ob meiner Anwesenheit auch schonmal mehr gefreut hat), traf man sich am späten Samstagnachmittag im Bangert um ein köstliches Abendessen einzunehmen und dabei (emotional aufgepusht) Handball zu schauen. Wie immer hatte der Gegner sein Temperament nicht im Griff und vor allem haben uns die Schiri’s wieder beschissen. Wobei: das war alles ein Witz gegen die letzten 10 Sekunden im Spiel heute gegen Norwegen. So was lächerliches hab ich ja noch überhaupt nie gesehen!
Egal, extremstens in Schale geworfen (Fotos gibt es davon leider – oder Gott sei Dank – nicht) machten wir uns gegen 19 Uhr auf den Weg in die hessische Landeshauptstadt um die Spielsucht wieder aufleben zu lassen. Ganz nebenbei war das die Chance, meine finanzielle Zukunft etwas besser zu betten.
Zumal meine Eltern wohl derweil beschlossen haben, mein Erbe komplett zu verprassen. Kaum ist man mal 5 Tage nicht zu Hause, schon kaufen die sich nen Neuwagen. Echt unfassbar. Ich ruf morgem mal beim Herrn Zwegat an... Die haben einfach zu viel Zeit, das ist wirklich das Problem. Als ich mein Marathon-Training abgebrochen habe, hatte ich plötzlich auch zu viel Zeit. Und was hab ich gemacht? Aus reiner Langeweile mein Vermögen in Sportwetten und Elitepartner investiert. Naja...
Das Casino Wiesbaden ist untergebracht im „Kurhaus“, einem prunkvollen, überragenden, schlossähnlichem Gebäude mit sehr schöner Parkanlage. Anbei mal ein paar Fotos:
Oh Mann, pervers - ich könnte tausende Bilder von dem geilen Bau hier reinstellen:
Bei diesem Bild denke man sich jetzt einfach mal die Leuchtpylonen weg, und stelle sich stattdessen hässliche, rote-weiße Fahnen von REWE vor!Denn als wir gegen 20 Uhr am Casino ankamen, war die Verwunderung zunächst mal groß. „REWE Mitte“ hatte dort an jenem Abend seine „Jahresversammlung“. Zu diesem Zweck hatte der tolle FC-Sponsor den Eingangsbereich mit etlichen seiner hässlichen Banner plakatiert. Das hat nicht nur das (durch die Außenbeleuchtung) phänomenale Ambiente massiv beeinträchtigt, sondern in uns zunächst die Sorge ausgelöst, dass an diesem Abend nur Zutritt für die „geschlossene Gesellschaft“ sei. War aber nicht so, so dass wir unbeschadet eintreten konnten. Im Foyer musste man sich erstmal quer durch die feiernde Rewe-Belegschaft arbeiten, was sich als absolute Freak-Show herausstellte. Irgendwelche Fleischerei-Meister-Stiernacken mit weißem Hemd (mit REWE-Schriftzug) und roter REWE-Krawatte. Oh Mann, das war phasenweise schon sehr unterhaltsam (wobei wir an diesem Abend noch EINIGE schlechter gekleidete Personen antreffen sollten). Markus hatte zwischendurch die Hoffnung, dass die REWE an jenem Abend in Wiesbaden die Poldi-Finanzierung unter Dach und Fach bringen wollte. Aber ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte: der Abend hat REWE mehr gekostet als eingebracht!
Die Eingangskontrolle ging trotz intensiver Ausweiskontrolle deutlich schneller als in jedem Bundesligastadion; was aber hauptsächlich daran lag, dass es nicht ganz so voll war. Wobei mich schon interessiert, was für bundesweite Daten die in ihrem Computer so alles abgleichen. Hätte mich nicht gewunder, wenn die Dame angekommen wäre mit einem: "Na, Herr Gröpler. In der 10. Klasse nur 9 Punkte in Erdkunde; was war denn da los?". Genauso wenig hätte es mich gewundert, wenn sie mir direkt noch meine neuesten Kontoauszüge ausgehändigt hätte. Naja, egal: in die "Datei Gewalttäter Sport" haben sie offensichtlich nicht reingeguckt; denn Conny und Markus durften beide rein! Drinnen im Spieltempel erwartete uns dann (wie die Außenansicht schon erahnen ließ) ein sehr festliches Ambiente mit Kronleuchtern, gedämmtem Licht und insbesondere einer disziplinierten, seriösen Ruhe. Es ist völlig anders, als man es aufgrund von Bond- oder irgendwelchen LasVegas-Filmen erwarten würde. Und zwar "anders" im positiven Sinne! Das hatte fast schon Bibliothek-Charakter. Einzig die weibliche Computerstimme hörte man alle paar Sekunden von einem der Tische ein „Nichts geht mehr“ hauchen!

Wir enterten zunächst mal die Bar und tranken uns ein bisschen Mut an, um dann direkt mit der Sichtung der einzelnen Tische zu beginnen. Vor allem versuchten wir die Taktiken der einzelnen Leute nachzuvollziehen; leider erfolglos. Warum der eine Typ ziemlich apathisch zwischen den Tischen rumgelaufen ist und gesetzt hat, um dann kurz später zu seinem Sitzplatz zurückzugehen und sich mysteriöse Notizen zu machen, haben wir bis heute nicht verstanden. Naja, ein Fall für Mulder & Scully! Mindesteinsatz für Roulette war 2 Euro; für BlackJack 10 Euro. Damit war für uns eigentlich alle klar, dass an jenem Abend für uns kein Kartenspiel auf dem Plan stand! Zumal Rainman nicht zum vereinbarten Treffpunkt im Bangert erschienen ist; wir also auf uns allein gestellt gewesen wären!
Nach einem weiteren Drink machten wir dann einen Roulette-Einführungskurs, bei dem ich Trottel tatsächlich die Proberunde gewann und als Prämie Spielchips für 8 Euro ausgehändigt bekam! Conny holte sich den dritten Platz und bekam 4 Euro. Und der Markus… hat auch mitgespielt!
Diese 12 Euro setzten wir am nächsten Tisch auf 6 einzelne Zahlen, hatten aber leider kein Glück und mussten zum Geldtauschen. Gesagt, getan, hatten wir dann kurz später die Taschen voller Chips und waren bereit, viel, VIEL Geld zu verdienen!
Erstaunlicherweise schlug mein erhöhtes Spielsucht-Risiko nicht im Geringsten an. Ich habe tatsächlich schon nach wenigen Minuten festgestellt, dass REINES Glückspiel einfach nichts für mich ist. BlackJack hätte ich natürlich machen können, aber wie gesagt war mir das einfach zu teuer. Da kam dann halt doch der Controller in mir raus. Und wannimmer ich mal 6 Euro auf irgendwas gesetzt habe, rechnete ich sofort aus wie viel Minuten ich dafür in Turgi im Büro sitzen muss. Das trieb mir wirklcih den Schweiß auf die Stirn und machte mir das Setzen natürlich nochmal viel schwerer. Dem Markus erging es nicht anders, der hielt auch bei Einsätzen ab 5 Euro schön die Luft an während die Kugel rollte. Letztlich tauschten wir beide am Ende des Abends den gleichen Betrag zurück, den wir auch eingetauscht hatte.
Am besten erwischte es definitiv Conny. Und die ging nicht nur mit einem passablen Gewinn raus, sondern Markus und ich schienen unsere Nervosität auch kein Stück auf sie zu übertragen. Völlig abgeklärt stand die vor ihrem Lieblingstisch und schaffte es, fast nur dann zu setzen, wenn sie auch gewann. Unfassbar: kalt wie ne Hundeschnauze hat sie so ihren Einsatz innerhalb kürzester Zeit verdoppelt. RESPEKT!!!
Markus, der Gutmensch, gab sogar 2 Euro Trinkgeld an einen Croupier. Diese beziehen übrigens von der Spielbank Wiesbaden (ebenso wie die Angestellten an der Kasse, Bar, etc..) kein Grundgehalt. GARNICHTS. O Euro! Sie werden ausschließlich aus Trinkgeldern der Gäste bezahlt. Für die Berechnung dieses Trinkgeldes gibt es ein ungeschriebenes Gesetz (prozentual vom Gewinn), an das sich aber eigentlich alle halten! Entsprechend verdienen die Croupiers also auch nur Geld, wenn die Kundschaft gewinnt. Ergo: sie haben ein Interesse an gewinnenden Kunden; was natürlich dem Interesse der Spielbank komplett entgegenläuft. Deswegen werden die 3 Croupiers pro Tisch auch von einem Ober-Kontrolleur und tausenden von Kameras überwacht! Die Croupiers sind in jedem Fall absolut nett und haben (ebenso wie 95% der sonstigen Casino-Besucher) keine elitären Allüren. Selbst mit einem 2-Euro-Einsatz fällt man dort nicht als jemand auf, der im Casino nichts zu suchen hat.
Eher fällt man dort durch die Kleidordnung auf, die für Herren ein Sakko, ein Hemd und eine Krawatte (de facto) zwingend erfordert. Wenn man aber so die individuellen Interpretationen des Begriffs „Sakko“ sieht, dann relativiert sich der Sinn einer Kleiderordnung schon ein bisschen. Als Erkenntnis bleibt, dass ein Sakko und eine Krawatte Menschen nicht unbedingt schick machen! Aber gut, über Geschmäcker lässt sich ja bekanntlich (nicht) streiten!
Nach zwei Stunden passivem und zwei Stunden aktivem Gezocke verließen wir dann das Casino. Für Eintritt, Parken und diverse Getränke hatten wir knapp 70 Euro ausgegeben – insgesamt. Also gut 20 Euro pro Person! Für so einen lustigen, interessanten und natürlich exklusiv-abwechslungsreichen Abend ist das ein mehr als akzeptabler Preis. Dort herrscht eine extrem angenehme Atmosphäre, die Leute (Mitarbeiter wie Spieler) sind größtenteils völlig normal, man erlebt den Reiz und den Nervenkitzel des Spiels und ist in einem Umfeld, dass man halt nirgendwo sonst findet! Ich kann wirklich nur jedem von Euch empfehlen, das mal zu machen! Es ist einfach nur total cool!
An dieser Stelle dann auf jeden Fall ein herzliches Dankeschön an Conny & Markus für den Abend. Wir fanden es glaub ich alle einen absoluten Knaller-Abend! VIELEN DANK!Für Markus und mich hatte es noch den positiven Nebeneffekt, dass wir nachweislich nicht spielsüchtig sind (*hüstel*); wir unserer Karriere bei BWIN also problemlos wieder aufnehmen können!
So, ich hoffe ich habe nichts Wichtiges vergessen! Falls doch, kann ich nichts dafür. Der Tobi ist schuld, der hier einfach anruft und mich stundenlang vom Schreiben abgehalten hat. Ach ja, eins hab ich doch vergessen: vor dem einen Tisch habe ich auf dem Boden 5 Cent (in Cash!) gefunden und eingesteckt. Ich bin also durchaus mit einem Gewinn rausgegangen – Eintritt und Getränke mal nicht eingerechnet! So, ich hoffe es ist auch vertretbar, dass es im Blog ausnahmsweise mal nicht um Sport ging. Dafür kann ich jetzt schon ankündigen: morgen lasse ich hier eine riesige journalistische Bombe platzen. Vorausgesetzt mir flattern bis morgen Abend nicht noch irgendwelche „einstweiligen Verfügungen“ ins Haus, werde ich (gleich zu Beginn der WNSL-Vorbereitung) einen ersten großen Skandal aufdecken! Man darf gespannt sein!
1 Kommentar:
Wann gehen wir wieder hin???????
Ich bin bereit!!!!!!
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