Sonntag, 1. Februar 2009

Marathon: Trainingsdurchführung

So, da bin ich auch schon wieder. Ich kann betonen: ich schreibe dieses Wochenende nicht etwa deswegen so viel, weil es mir riesigen Spaß macht oder weil mir langweilig ist. Viel mehr will ich dieses Thema jetzt endlich zu einem Ende bringen; wobei die beiden Kapitel „Trainingsvorbereitung“ und „Trainingsdurchführung“ die zweifelsohne unangenehmsten sind. Es macht nämlich definitiv keinen Spaß, sich all seine Fehler noch mal in voller Breite selbst vor Augen zu führen… Egal, bald ist die Geschichte abgeschlossen und dann kann ich ganz ohne all diese Altlasten sicherlich befreit aufspielen, bzw. auflaufen...

Vorab gibt es übrigens noch diverse gute Nachrichten; offensichtlich wendet sich am letzten Tag der Woche doch noch einiges zum Guten: das Budget 2009 ist (später hätte es auch nicht sein dürfen) endlich und endgültig abgeschlossen. Besonders erfreulich ist daran, dass das das letzte Mal in meinem Leben gewesen sein dürfte, dass ich mich mit einem Budget von ATD rumärger! Höchst erfreulich… Mindestens ebenso erfreulich ist, dass mein Auto nicht eingepresst wurde, ebenso wenig fand ich eine Kralle am Reifen oder ein Knöllchen an der Scheibe. Ausgezeichnet!!! Auch vom Sport gibt es etwas Erfreuliches zu melden, auf die Eintracht ist kein Verlass, auf diese Jungs hier (vor allem auf Andy & Andy) dafür umso mehr:Aber damit genug mit irgendwelchen Nebensächlichkeiten. Wie gestern schon angekündigt, gehe ich heute auf den praktischen Teil meiner Vorbereitung ein, und der war mindestens so jämmerlich wie der theoretische. Letztlich habe ich drei große Fehler gemacht: der erste war wie gestern schon beschrieben ein völlig vermessener Trainingsplan der (womit wir beim zweiten Fehler wären) auf einer grundlegenden Fehleinschätzung meiner körperlichen Fähigkeiten beruhte und (als dritter Fehler) von zweifelsohne schlechten äußeren Bedingungen flankiert wurde!

Meine (fehlende) Leistungsfähigkeit hat mich eigentlich am meisten verwundert, um nicht zu sagen enttäuscht. Im Prinzip habe ich kaum mal zwei Tage ohne Probleme trainieren können. Keine Ahnung wie oft in diesem Blog das Wort „Blase“ gefallen ist (da kann vermutlich der Jonas weiterhelfen), aber im Prinzip hatte ich permanent Probleme mit der Haut an meinen Füssen. Auch durch etliche neue Schuhkäufe konnte ich das Problem nicht beheben, es war eigentlich immer das gleiche! Später dann noch verstärkt durch die Einlagen; da hätte ich eigentlich checken müssen, dass es nicht machbar ist, einen Marathon zu laufen, wenn man 4 Monate vorher plötzlich und zum ersten Mal in seinem Leben, Einlagen tragen muss.

Aber das waren ja nicht die einzigen Probleme. Denn meine Muskeln waren ja vom ersten Tag an chronisch müde, verkatert oder überbelastet. Das war schon ziemlich erbärmlich, wie ich nach einem normalen 10km-Lauf zwei Tage fast nicht gehen konnte. Irgendwann stieg ich dann (weil ich ob der davonlaufenden Zeit einfach nervös wurde) auch unausgeruht wieder ins Training ein – was sich aber direkt auf den Puls auswirkte und die ganze Sache (auch die Muskeln) eigentlich nur schlimmer machte. Tja nun, der erwähnten Beschränkung auf 10km-Läufe (von Anfang an) zollte ich entsprechend Tribut – oh man, was könnte ich mich über diesen Fehler aufregen!

Der Puls (als drittes Dauerthema neben Blasen und Muskelbeschwerden) war eigentlich schon vom ersten Lau an ein einziges Drama. Ich kann nichtmal gehen mit einem Puls von unter 130 – und plötzlich soll ich mit einem von maximal 140 joggen? Wie soll das funktionieren??? Laufen mit Puls (ein extrem interessantes und vor allem wichtiges Thema) habe ich einfach nicht hinbekommen; insbesondere wenn der Puls einmal über 160 war, bekam ich ihn einfach nicht unter 160 zurück!!!

Im Rahmen der ganzen Trainings-Durchführung konsultierte ich insgesamt 4 Ärzte. Allesamt betonten sie, dass ich keine optimalen Voraussetzungen für einen Marathonläufer habe, und ich es doch einfach bleiben lassen sollte. Allerdings sagten die ersten 3 Ärzte auch, dass ich mich keinem gesundheitlichen Risiko aussetzen würde. Womit sie ja auch sicher Recht hatten; mein komischer Defekt kam ja erst viel später zum Vorschein. Anyway, eigentlich haben mir alle Ärzte von meinem Vorhaben abgeraten (und mir vielmehr den Zehnkampf oder Triathlon empfohlen), aber irgendwie wollte ich das halt nicht hören und habe es daher ignoriert.

Neben meinen körperlichen Voraussetzungen möchte ich aber auch die äusseren Bedingungen nicht ganz ausser Acht lassen! Denn – ohne jetzt hier Ausreden finden zu wollen – die waren zweifelsohne alles andere als optimal. Meine Hausstrecke war zwar soweit möglich von grossen Hügeln befreit, aber dennoch alles andere als eben. Wannimmer es bergauf ging, raste mein Puls hoch, bergab fiel er dann geradezu ins bodenlose. Konstant nach Puls laufen konnte ich praktisch nie. Neben der hügeligen Landschaft hatte auch das Wetter seinen Einfluss. Spätestens ab Mai wurde die Hitze zu einer echten Qual (auch wenn ich den Grossteil meiner Läufe erst ab 17-19 Uhr mache). Die Hitze allein war aber nicht das Problem; sondern vielmehr, dass sie den Gülle-Gestank auf den Feldern exponential erhöhte. Das machte das Atmen eigentlich schon schwer genug, aber dazu kamen dann auch noch durchschnittlich etwa 2 Millionen Mücken, Schnaken, Fliegen, und anderes Ungeziefer, das meine Route besiedelte. Atmen durch den Mund war vollkommen unmöglich, und über die Nase konnte ich gar nicht genug Luft aufnehmen, um in einem aeroben Bereich zu bleiben. Ergo: der Puls wurde noch höher! Und wannimmer ich ihn doch tief halten konnte, wartete garantiert die blutrünstige Dreckstöle, mit dem Ziel mich zu töten und waidmännisch aufzubrechen! Spätestens wenn der Kollege zähnefletschend und kläffend auf mich zukam, schoss mein Puls auf 200 hoch! Die Querelen mit Muskeln & Blasen setzten dem ganzen Training eigentlich nur die Krone auf; teilweise war es wirklich zum heulen!!! Ganz nebenbei war das Training langfristig auch einfach nicht mit der Arbeit vereinbar. Ich glaube viel länger wäre es nicht möglich gewesen, schon abends um 17 Uhr Feierabend zu machen, zumal wir im April 2008 ein neues Profitcenter eingeführt haben und in meiner Haupttrainingszeit doch einiges an Arbeit liegen blieb.

Hm, wenn ich den letzten Abschnitt so lese, kann ich mich eigentlich nur schämen. Denn ich will hier definitiv keine Ausreden suchen – dass der ganze Quatsch nicht geklappt hat ist allein meine Schuld und wurde von den äusseren Bedingungen letztlich nur verschlechtert; aber sicher nicht verursacht!!!

Aber auch ganz wichtig: nicht im Geringsten will ich den Eindruck erwecken, als wäre das ganze Training eine Qual für mich gewesen. Wannimmer ich aktiv war, hatte ich eigentlich riesigen Spass dabei. Nach spätestens 15 Minuten Laufen schaltete ich im Normalfall von allem ab und verdrängte all den Quatsch, der sonst so in diesem Land und im Büro passiert, vollkommen.

Vor allem war es aber - nach Jahren ohne Sport - ein total cooles Gefühl, wieder fit zu werden. Und Verbesserungen konnte ich zweifelsohne feststellen; auch wenn die sich weder im Puls noch in der Zeit ausdrückten. Als ich im September das Training hinschmiss war ich definitiv um Welten fitter, als zu Trainingsbeginn Anfang März. Ganz nebenbei kam mir auch mein temporärer Ernährungsplan sehr zu Gute, sowohl der theoretische, als auch der praktische Teil. Es hat zwar nicht immer Spass gemacht, aber ich hatte schon den Eindruck, dass mir die gesunde Ernährung gut tat. Eigentlich hatte ich ja auch den Effekt gehofft, dass der Verzicht auf Kaffee (den ich übrigens bis heute durchziehe) mein Schlafproblem gleich mitlösen würde, aber davon kann leider keine Rede sein! Zu Hause war die Ernährungsumstellung eigentlich kein Problem; wirklich schwierig wurde es nur mittags in der Kantine. Nicht, dass das Essen so toll wäre, aber mittags hätte ich schon mehr Bock auf was Deftiges gehabt, als ständig auf Salat. Die ABB-Kantine in Turgi macht es einem allerdings relativ einfach, auf die Hauptmahlzeiten zu verzichten. Hier mal ein Auszug; und es schmeckt alles noch viel lustiger als es klingt:Fazit: die Trainingsdurchführung war (zumindest im Hinblick auf einen Marathon) falsch und schlecht. Trotzdem hat mir die ganze Sache übertrieben Spass gemacht und ich habe tatsächlich bei mir eine gewisse Leidenschaft fürs Laufen entdecken, bzw. wecken können. Auch wenn ich betonen muss: die Einheiten, auf die ich mich besonders gefreut habe, waren eigentlich nicht die Dauerläufe, sonder das Schwimmen und natürlich ganz besonders das Kicken in Turgi! Das Radfahren hat mir weniger Spaß gemacht, war aber zumindest eine Abwechslung. Koordination habe ich nur eine einzige Einheit gemacht, Krafttraining im Prinzip gar nicht – hatte ich halt auch einfach kein bisschen Lust drauf! Besonders positiv zu erwähnen wären aber noch die Intervalle, die zwar definitiv einen masochistischen Charakter hatten, aber spätestens zwei Stunden nach dem Training fühlt man sich wie Neugeboren; ein wirklich überragendes Erlebnis! Ich kann nur jedem empfehlen, das mal auszuprobieren!

So, damit müsste ich eigentlich zu meinem praktischen Training alles gesagt haben. Der Post ist jetzt auch lang genug, daher verabschiede ich mich für heute. In meinem nächsten Beitrag gebe ich Euch dann ein paar Informationen zum „27. Dresdner Kleinwort Frankfurt Marathon 2008“ – also dem Ereignis, um das es in diesem Blog hier eigentlich ging, bzw. hätte gehen sollen!

Um aber noch mal politisch zu werden, muss ich (ich MUSS wirklich, es geht nicht anders) mal ein paar Wort zum sympathischen Tabellenführer aus dem Kraichgau verlieren! Das gestrige Interview von Ralf Rangnick (dieser M*********) ist eine einzige, bodenlose Frechheit: „Ohne Hopp ist das Hoffenheimer Ausbildungskonzept nicht mehr aufrechtzuerhalten. Ich sehe uns in erster Linie als Ausbildungsverein für uns selbst, ohne Dietmar Hopp aber wird der Verein ein Ausbildungsverein für andere werden. Da müsste ich mir schon überlegen, ob mich das dauerhaft zufrieden stellt!“ Äh, WHAT??? Dieses Interview kann eigentlich nur als eine einzige, größtmögliche Provokation angesehen werden!!! Das Wort Ausbildungsverein ist ja wohl eine Verarsche, oder? Vermutlich kennt jeder die Statistik, aber trotzdem nochmal: es gibt einen einzigen (von 56) deutschen Profiklubs, der diese Saison noch keinen einzigen Spieler eingesetzt hat, der im eigenen Verein ausgebildet wurde. Nicht eine einzige Minute, nichtmal eine Sekunde!!! Ganz genau: die Turn- und Sportgemeinschaft Hoffenheim!!!

Aber die neuerlichen Einkäufe von Boubacar Sanogo und „Fabricio“ Silva Dornellas passen voll rein in dieses Ausbildungskonzept, ebenso wie die eigens gezüchteten Talente Obasi, Ba, Carlos Eduardo und Hildebrand!!! Oh Mann, ich dreh durch wenn ich so was höre!!! Aber gut, bevor ich mich aufrege (und am Ende hier noch zum bewaffneten Widerstand aufrufe) verabschiede ich mich lieber und wünsche Euch allen noch ein schönes Rest-Wochenende!

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