Wie eben erwähnt, bin ich die letzten Tage also gar nicht gelaufen; auch am Wochenende nicht. Gestern stand dafür Krafttraining im Überschuss auf dem Programm. Sanne und Fabian haben ihre verwahrlosten Haushalte aufgelöst um innerhalb von Mannheim eine neue, gemeinsame Wohnung zu beziehen. Für die beiden geht es aus der Schwetzinger Vorstadt nach Seckenheim. Im Übrigen ein weiser Entschluss, die Vorstadt endlich zu verlassen; wer will schliesslich schon hier wohnen?
Besonders sportlich wurde die ganze Aktion, da sich Sannes Freunde nicht grade loyal gezeigt haben – genau genommen haben sie sich gar nicht gezeigt. So halfen dann Tobi und ich den beiden Vorstadt-Flüchtlingen und Sannes Eltern beim schleppen. Es ging los mit Sannes Wohnung – danach rüber nach Seckenheim wo der Kram in den gefühlten 11. Stock hochgetragen wurden! Nachdem das erledigt war ging es zurück um Sannes Rest und Fabians Wohnung einzupacken. Abermals ging es zurück nach Seckenheim wo ebenfalls abermals die Sachen hoch in den gefühlten 19. Stock mussten! War zwar ordentlich anstrengend, aber sonst passierte eigentlich nichts Spektakuläres. Ach ja: Scherben bringen Glück und ich schulde den beiden einen neuen Spiegel!
Nach getaner Arbeit machte ich mich auf den Weg in die Schweiz, wo ich Riniken mit einer Null-Stopp-Strategie und einer Welt-Tagesbestzeit von 2:26 Stunden erreichte. Dabei nahm ich den Weg, den tagsüber schon komplett Holland genommen hatte. Als ich morgens nach Mannheim gefahren bin war original jedes zweite Auto auf der A5 ein Holländer auf dem Weg nach Basel. Die haben die Autobahn halt wirklich orange gefärbt… Daher wunderte es mich nicht, dass ich kurz später im Radio erfuhr, dass sich rund 250.000 Niederländer in Basel befinden. Was für eine krasse Menge! In Minute 20 kam ich an meiner Wohnung an und musste mit ansehen wie meine Holländer sich aus dem Turnier verabschiedet haben. Naja, dann sind jetzt zumindest alle Daumen frei für West-Deutschland!
Das eigentliche Thema hier und heute ist aber ein anderes. Schliesslich kann es ja nicht der Sinn sein, dass ich diesen Blog nur nutze, um mich und meine sportlichen Leistungen der Lächerlichkeit preiszugeben. Es gehört eben auch mal dazu, dass Ihr ein bisschen was über Theorie lernt!
Vermutlich hat jeder schon mal etwas von Laktat und/oder Laktattests gehört. Von Fussballspielen oder Trainingslagern kennt man ja auch gut die Bilder, in denen die Leistungssportler ihr Ohrläppchen bluten lassen müssen, damit der Mannschaftsarzt den Laktatwert der einzelnen Spieler bestimmen kann. Aber warum das eigentlich?
Laktat ist ein körpereigener Stoff, der den Zweck hat, das Herz-Kreislauf-System vor einer Überlastung zu schützen. Sobald dem Körper Leistungen abverlangt werden, die ihm zu anstrengend sind, bildet er Laktat, was zu einer Übersäuerung der Muskeln und damit mittelfristig zu einem starken Leistungseinbruch führt. Das „zu anstrengend“ hängt massgeblich von den Bereichen ab, in denen gelaufen wird. Solange der Körper gut mit Sauerstoff versorgt ist (aerober Bereich) bildet der Körper kein Laktat, sobald der zugeführte Sauerstoff nicht mehr ausreicht (anaerober Bereich), holt sich der Körper den fehlenden Sauerstoff aus der Milchsäuregärung womit er gleichzeitig anfängt, Laktat (das Anion der Milchsäure) freizusetzen!
Laktat bildet somit einen eigenen Schutz dagegen, dass der Körper auf einen längeren Zeitraum überbelastet wird und es um Kollaps kommt. Somit hält die Laktatentwicklung einen Sportler jederzeit in seinen Leistungsgrenzen!
Der Laktatwert im menschlichen Körper wird in mmol (Millimol pro Liter Blut) gemessen. Je höher der Laktatwert, desto unökonomischer ist der Stoffwechsel des Körpers. Solange der Laktatwert kleiner oder gleich 4,0 mmol beträgt ist der Körper ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Erst höhere Werte zeigen an, dass die Sauerstoffversorgung nicht ausreicht. Sobald der Sportler die Leistung aber mindert, beginnt auch der Körper direkt wieder mit dem Abbau des Laktats.
Ein Langstreckenläufer sollte in einem Marathon normalerweise einen Wert von 4,0 mmol anstreben, da dies der gerade noch der Bereich ist, in dem die Sauerstoffversorgung ausreicht. Erst auf den letzten Kilometern beim Endspurt sollte sich der Wert erhöhen. Im Vergleich dazu läuft ein 800-Meter-Läufer normalerweise mit einem Laktatwert von 25,0 mmol über die Ziellinie. Aufgrund des Laktats (bzw. aufgrund der Sauerstoffversorgung) sind auch die Interview-Leistungen der Läufer zu erklären. Ein 800-Meter-Läufer pumpt normalerseise noch 1-2 Minuten nach Zieleinlauf Luft, während Marathon-Profis bereits wenige Sekunden nach dem Zieleinlauf Interviews geben können.
Nicht zuletzt bildet Laktat für die Sportmedizin eine optimale Möglichkeit des Fitnessstands eines Sportlers zu bestimmen. So machen praktisch alle Bundesliga-Vereine zum Trainingsbeginn einen Laktattest mit den Spielern. Den Anhand dieses Tests lässt sich optimal und ohne jede Zweifel feststellen, ob die Sportler auch schön brav ihren Sommerpausen-Trainingsplan befolgt haben.
Soviel erstmal zum Thema Laktat. Leider ist es ziemlich kompliziert das Thema zu erklären, solange ich nicht ein paar andere Themen erklärt habe; insbesondere die Energieversorgung und Sauerstoffversorgung des Körpers. Aber hoffentlich komme ich dazu in den nächsten Tagen mal.
Nun schreiben wir die 108. Minute im Spiel gegen die „Petzen von 2006“ gegen die Spanier und ich brauch wohl nicht erwähnen, wem meine Sympathien hier gelten. Weiterhin fällt mal wieder auf, dass Luca Toni wohl die grösste Tussi ist, die bei diesem Turnier am Start ist. Es ist wirklich eine Schande, dass so jemand nicht längst mit gelb-rot vom Platz ist. Aufgrund von Schwalben, Theatralik und Zeitspiel! Naja, ich kann nur das beste hoffen...
¡Viva España!
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