Ich stand gegen 9.30 Uhr auf und fuhr nach einem gesunden Frühstück nach Pfungstadt um dort meine Startunterlagen abzuholen. Auf der Homepage des TSV Pfungstadt war so ziemlich keine Info zu finden, wann die Startnummernausgabe erfolgen solle, wann man sich zum Start einfinden solle und vor allem wo!
Immerhin der Ort der Startnummernausgabe war angegeben: die Pfungstädter Volksbank. Also fuhr ich dorthin um festzustellen, dass es dort nichts gab. Ich fuhr noch zur anderen VoBa, doch auch dort war nichts von Startnummern zu sehen! Ich gab auf und besuchte erstmal Conny und Markus. Dort schauten wir gemeinsam im Internet nach und stellten fest, dass die Startnummernausgabe nun an der Lessingschule stattfinden sollte. Da die beiden auch nichts besseres zu tun hatten, fuhren wir nochmals gemeinsam hin. An der Lessingschule wurden wir an die alte Feuerwache verwiesen, dort wiederum vermeldete jemand, dass man die Startnummern bei der Volksbank bekam. Hier schloss sich der Kreis, aber kurz später stellte sich raus, dass die Nummernausgabe definitiv an der alten Feuerwache erfolgen würde. Nach einem kurzen Kaffee waren wir wieder da, wurden aber abermals auf 30 Minuten vertröstet. Diesmal nutzten wir die Zeit für das probeweise Ablaufen der Strecke. Das war schon zu gehen ziemlich übel und zog sich scheinbar endlos. Und von diesen Runden hatte ich später 6 am Stück zu laufen… Immerhin: die Idealline und sämtliche Schikanen kannte ich nun. Zurück an der Feuerwache wurde ich abermals um 10 Minuten vertröstet – erst gegen 14 Uhr erhielt ich dann endlich meine Startnummmer 13 und das obligatorische WNSL-Shirt:
Da ich zu Hause vor Nervosität bekloppt zu werden drohte, verbrachte ich die Zeit bis zum Lauf bei meiner Ersatzfamilie im Bangert. Um 16.25 Uhr (also 35 Minuten vor Startschuss) fuhren wir nach Pfungstadt, wo das Drama seinen Lauf nahm...
Als wir das Auto parkten, trafen wir auf Leute, die nicht nur hochprofessionell gekleidet waren, sondern sich auch noch warmliefen, in einem Tempo, in dem ich den Wettkampf angehen wollte. Anfangs dachte ich noch, das seien Ausnahmen, allerdings wurden es immer mehr, sodass sich sogar Markus zu einem hämischen „Du wirst Letzter!“ hinreissen liess!
Allerdings ist sonst zu betonen, dass sich meine Fans vorbildlich verhielten. Leider waren es nicht viele; die meisten waren dabei wirklich um keine Ausrede verlegen. Da wurde wirklich alles genannt: Strassenfeste, Umzugsarbeiten für die neue Wohnung, vorgeschobene Krankenhausaufenthalte, zu weite Anfahrtswege (Topic; als wären 250 Kilometer aus Bonn für solch einen Anlass zu viel...) oder eben einfach nur sonstige Verpflichtungen. Nun, ich ziehe meine Lehren daraus. Jetzt wo sich am Samstag bei meinen Fans die Spreu vom Weizen getrennt hat, weiss ich wenigstens, auf wen wirklich verlass ist. Vielen Dank jedenfalls an den ersten offiziellen Matthiosos-Fanclub (sozusagen den MFC Bangert). War wirlich cool, dass ihr die ganze Zeit dabei wart. Sowohl beim Ablaufen der Strecke, als auch bei der Vor-Wettkampfphase und nicht zuletzt natürlich während dem Rennen. Ich weiss wirklich nicht, ob ich zu Ende gelaufen wäre, wenn Ihr nicht dabei gewesen wäret!
Ich verabschiedete mich von Conny und Markus und ging direkt zum Startpunkt, wo ich dann 10 Minuten hypernervös auf und ab lief. So gesehen war ich froh, als es endlich losging und sich der Tross aus circa 35 Männer und 20 Frauen in Bewegung setzte. Nach wenigen Minuten war meine Freude aber auch schon wieder vergangen. Denn bereits nach etwa 800 Metern merkte ich, dass ich nichtmal das Leistungsniveau des Durchschnitts mitgehen konnte. Ich versuchte also, mein eigenes Tempo zu laufen, war aber damit immer noch etwas zu schnell. Was ich dringend lernen muss ist, meine Kräfte vernünftig einzuteilen. Bis heute schaffe ich das ja nichtmal bei einem 8.4-Kilometer-Lauf.
Meine Rundenzeiten wurden konstant schlechter. Die ersten Runde lief ich in 6:15 Minuten; die letzte dann in 7:48 Minuten. Schlimm war: bereits Mitte der zweiten Runde war ich komplett fertig und kurz vorm Aufgeben. Ende der vierten Runde brauchte ich dann auch noch Wasser, dass mir vom Fanclub natürlich gerne gereicht wurde!
Ziemlich cool war, dass ich so langsam war, dass der „Sprecher“ sich immerhin dreimal die Zeit nahm, mich persönlich, namentlich zu nennen. So ertönte beim Überqueren der Start/Zielliene jedes Mal ein „Und die Nummer 13, Matthias GRxxxxER – ohne Verein“ im tiefsten Pungschter-Deutsch. Das hat wirklich motiviert...
Als positiven Lerneffekt kann ich mitnehmen, dass es etwas völlig anderes ist, in Riniken zu laufen oder an einem Stadtlauf teilzunehmen. Es liefen alle möglichen Leute herum, ebenso wie Radfahrer. Es parkten Autos ungünstig auf der Strasse und nicht zuletzt hat man viele Konkurrenten um sich herum die einen einfach ablenken!
Allerdings muss ich sagen: meine Beine waren eigentlich ganz gut, mein Rücken vollkommen in Ordnung, die Schuhe machten auch keine Probleme und zu heiss war es ebenfalls nicht. Die Bedingungen waren also gut – ich konnte mich nicht beschweren!
Die 6 Runden absolvierte ich in einer Gesamtzeit von 43:34 Minuten, was zwar eigentlich zu meiner Zufriedenheit war, aber es reichte bei den Männern dann halt doch nur zum vorletzten Platz. Immerhin etwa 5 Frauen liess ich hinter mir. Das klingt eigentlich alles nicht so schlimm, aber das ist halt auch nur die halbe Wahrheit. Ich habe vielleicht schon das ein oder andere Mal hier im Blog ein bisschen übertrieben aber was ich jetzt erzähle ist nichts als die Wahrheit (NADW):
- bereits in Runde zwei wurde ich erstmals überrundet
- der Sieger lief die Strecke in 24 Minuten; ich wie erwähnt etwa mit dem Faktor 2
- es lief ein barfüssiger, alter Mann mit, der mich zweimal überrundete
Alles in allem war es trotzdem eine coole Erfahrung – zumal ich die Nervosität total unterschätzt habe und die beim Marathon wahrscheinlich noch tausendmal grösser sein wird! So gesehen bin ich im Nachhinein dann doch froh, dass ich diese Tortour über mich habe ergehen lassen. Anbei mein Zustand am Zieleinlauf: Hier ein kleines Video von meinem Lauf. Das war das Ende der vierten Runde, als ich zum Wasser holen kam. Ich verbitte mir jeden Scherz über meinen (nennen wir es ) eigenwilligen Laufstil. Ich weiss, dass das ziemlich erbärmlich aussieht, aber was soll ich machen. Ich hatte eigentlich gehofft, dass das mein Laufstil in müdem Zustand ist, und ich sonst eigentlich runder laufe. Auf Nachfrage bei meinen Fans (dass ich "ja wohl nicht immer so laufe, oder?") bekam ich allerdings nur ein betretenes Schweigen; woraus ich wohl leider die schlimmsten Schlüsse ziehen muss...
Höchst erniedrigend wurde es dann übrigens noch mal auf dem Heimweg – auch das ist nicht gelogen oder übertrieben. Mann kann sagen, dass ich nach dem Zieleinlauf praktisch DIREKT mit Conny und Markus den Weg zum Auto angetreten habe, um die beiden pünktlich zum Anpfiff Schweden-Spanien zu Hause abzuliefern. Wir fuhren dann entsprechend auch direkt von Pfungstadt nach Seeheim rüber. Auf der Hälfte des Weges (etwa 2 Kilometer) kamen uns dann einge Läufer entgegen, die gemeinsam mit mir gestartet waren – unter anderem der Barfüssige und die Siegerin der Frauen. Die waren offensichtlich beim Auslaufen und kamen mir (obwohl ich wirklich UNMITTELBAR nach meinem Zieleinlauf losgefahren war) wieder aus Seeheim entgegen. Es war wirklich deprimierend.
Umso schöner war dafür der Ausgang des Abends, der unter dem Motto „Chill and Grill im Bangert“ stand. Ja, der moderne Leistungssportller sucht die Nähe zu seinen Fans und lässt sich auch nicht lumpen, einen ganzen Abend mit ihnen zu verbringen!
So, das war es erstmal zum Thema Willi-Nickel-Stadtlauf. Nochmals ein Dank an meine Begleiter Conny und Markus, die im Übrigen auch die Bilder und das Video gemacht haben. Ich hab mich echt saumässig gefreut! VIELEN DANK!!!



