Dienstag, 23. Juni 2009

WNSL 2009 - Wettkampf II (Gästeblog)

So! Ich beginne meinen Post mal wieder mit meinem Lieblingswort, wobei MEIN Post eigentlich falsch ist. Denn hier und heute kommt es zu einer absoluten Premiere bei "Lauf du Pienser": dem Beitrag eines Gastautoren!

Der Kollege Jonas aus Bonn hat sich dazu herabgelassen ein paar Worte (oder ein paar mehr...) über seine Eindrücke vom WNSL-Wochenende zu verlieren! Wer sich nicht mehr erinnern kann, wie der Jonas aussah; es ist der Typ links im orangefarbenen Pullover:Sehr cool, vielen Dank Junge! Und dann will ich auch jetzt nicht viel weiter rumquatschen. Ungekürzt und unzensiert:
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WHO THE FUCK IS WILLI-NICKEL?
Von Jonas

Nach einem solch perfekt organisiertem Wochenende steht es dem Matthi auch zu, seinen Wunsch erfüllt zu bekommen: ein Beitrag zu seinem Blog. Auch wenn dieser der härtesten Zensur ausgesetzt sein sollte und jedes meiner Wort verfälscht wird. Aber wir sind hier ja nicht bei der New York Times, gell Jermaine...

Wie schreibt man denn überhaupt einen solchen Lauftext? Laut Matthi ist dies ja quasi die einzige Möglichkeit sich bis zum Marathon zu quälen. Beim lieben Matthias fällt hierbei dann aber auf, dass er den Blog eher dazu nutzt einem gewissen Kreis Mitmenschen seine Tageserlebnisse zu erzählen, als das er seine Trainingsqualen dokumentiert. Sei es drum, das andere funktioniert und ist immer gut zu lesen! Von kaum einem anderen Menschen wusste ich letztes Jahr so detailliert was ihm widerfahren ist, ob man das hingegen auch wissen möchte steht auf einem anderen Blog. Dem pointierten Schreibstil von Matthi kann ich kaum Paroli bieten, aber ich kann viel und lange schreiben!

Zurück zum Lauftext oder auch direkt hinein in den Lauf, denn der Gedanke den ich während des Wettkampfes hegte ist bezeichnend für das ganze Wochenende „Warum tue ich mir das an?“. Nicht das ich das Wochenende an sich meine, das war schlicht genial, aber es gab doch immer wieder Szenen in denen diese Frage aufkam:

- Im Biergarten sitzend über Apfelschorle nachdenkend
- Beim Frühstück auf ausgewogene Ernährung achtend
- So viele Bananen essend, das es für eine Tierparkfütterung gereicht hätten
- Powergel... (Ohne Worte)
- Magnesiumkuren trinkend, obwohl das Bier im Kühlschrank stand
- Die Auswahl des Laufdresses auf die Temperaturen anpassend
- Beängstigt mir die Startnummer am Körper statt am Shirt zu befestigen
- Usw. usw.

Und bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinen „Läufer“ gesehen.

Angekommen in Pfungstadt war mir eigentlich direkt klar, das die meisten Kinder die dort am Start waren fitter sind als ich. Als sich dann noch zwei dürre Kiddies eine Runde neben uns warmgelaufen haben, dachte ich es reicht, ich steige aus. War das ganze nicht von einer Brauerei organisiert? Wo war der Grill, wieso gab es keinen Schnaps und wieso waren die T-Shirts in XL erst vergriffen und wurden dann wiedergefunden nachdem ich demütig das Shirt in L entgegen genommen hatte. Das schlechte Gewissen und der guten Vorsatz abzunehmen waren direkt wieder in meinem Kopf. Und wieder die Frage: „Was mache ich hier?“.

Im gleichen Moment sah ich jedoch auch Licht am Horizont, naja zumindest ein klein wenig. Die Startunterlagen wurden in einem Teamumschlag überreicht! Nun war mir klar, dass egal was nachher passieren würde, meine Schmach auf die ganze Truppe zurückfallen würde. Sogar auf Tobi!

Nach einer folgenden kurzen Aufwärmrunde im Auto standen wir dann tatsächlich, auf den Punkt vorbereitet, in Pfungstadt, es konnte losgehen, alles war perfekt. Nur leider hatten wir für den falschen Lauf gemeldet, bzw. viel schlimmer WURDEN für den falschen Lauf gemeldet! Diese Fremdbestimmung beim anmelden von Laufevents ist eine recht zweifelhafte Praxis! Wobei es mir die Chance gibt ganz eventuell zurückzuschlagen. Das hingegen würde mich auch eine Stufe mit 4565 stellen… Mal sehen was passiert… man sieht sich immer zweimal im Leben!

Joschas Start zum 4,8 km Lauf und die damit verbundene Leistung toppten dann problemlos alles andere. Ich habe den Jungen ja noch in seiner Vorbereitung erlebt und dort war regelmäßig nach 3 km Schluss. Und das war ganz sicher nicht geblufft, das Schnauben einer alten, ungeölten Dampflok klang harmonisch gegen das was aus Joscha herauskam. Umso großartiger fand ich die Runden die er in den Pfungstadt Asphalt gebrannt hat. Das war wirklich ganz großes Kino! Nicht ohne Grund war „der Vorläufer“ für einen Oscar nominiert.

Danach kam es nun zum harten Ausscheidungsrennen über 8,4 km, sechs Runden Schmerz, Hass und Erniedrigung. Kurz vor dem Start suchte ich mir die Hinterläufe von Matthi um meine Tatik von Beginn an durchziehen zu können, am Matthi bleiben und ihn kurz vor Ende wegchecken. Der Startschuss fiel und plötzlich rast der Junge los. Ich dachte kurzzeitig tatsächlich, das Matthi sich den größten Bluff der Sportgeschichte ausgedachte hatte. Mit dem Tempo der ersten fünf Meter wäre er locker auf dem Treppchen gewesen. Gott sei Dank ließ er die Katze noch einmal im Dorf und erkannte rechtzeitig, dass Freunde wichtiger sind als sportliche Erfolge; das sollte allerdings nicht allen anwesenden WNSL-Finishern-2009 so gehen.

Die folgenden Runden waren bullenheiß, viel zu anstrengend und eigentlich nur davon geprägt regelmäßig überrundet zu werden. Ich war schon recht froh, dass es der Sieger nicht schon in der ersten Runde geschafft hatte! Besonders froh war ich allerdings darüber, dass es keiner barfuss geschafft hat; eine solche Demütigung kann und will ich mir nicht zumuten!

Das Rennen plätscherte so vor sich hin, bis sich Markus an der Eberstädter kurz überlegte ein Eis holen zu gehen. Ihm scheint dann aber eingefallen zu sein, dass er das besser nach dem Rennen macht und daher lieber schon mal vor läuft. Zweitbester Bluff des Tages!

König der Pokerspieler ist und bleibt aber der Tobi. Fast beleidigt wirkte er als wir aus der Schweiz heimkehrten und Matthi über seinen Leistungsstand in Kenntnis setzten. „Was habt ihr denn für einen Scheiß erzählt“, waren seine Worte. Dabei hatten wir nur klar und deutlich formuliert, dass wir uns Sorgen machen von Tobi überrundet zu werden. Diese Sorge stellte sich als mehr als berechtigt heraus. Von Beginn an wart Tobi nicht mehr gesehen und erst beim Thema Überrundung wurde klar dass er noch mitläuft. Elena selber war davon betroffen, was mich zu der Feststellung bringt, dass Tobi von dem Begriff Gentleman noch nichts gehört haben kann! Du kannst doch nicht einfach eine Frau schlagen und sie dann auch noch erniedrigen! Pfui Spinne!

Für Matthi und mich bestätigte sich das Problem Knoben in der vorletzten Runde. „Überrundet der uns noch?“, nach dieser Frage entschied ich mich für eine Taktikänderung: Prio 1: nicht von Tobi überrundet werden, Prio 2: vor Matthi ankommen. Das meine Körner noch für beides reichen sollten war mir zu dem Zeitpunkt nicht klar und ich bin meinem Körper im nachhinein dafür sehr dankbar.

Die Akte Knoben möchte ich mit folgender Auszeichnung schließen: Bester Bluff des Tages! Damit gemeint ist jedoch nicht die bestätigte Favoritenrolle, sondern seine Anmerkung, dass er uns niemals überrundet hätte.

Ansonsten kann ich, wie Kollege Matthi auch, zu dieser Leistung nur gratulieren! Das war richtig stark!

Das Ende des Laufes war dann auch das Ende der Qualen. Mit meiner Zeit war ich mehr als zufrieden, die wohl erst durch den Hauseigenen Fanclub möglich geworden ist. Unterstützung und Verpflegung an der Strecke waren absolut top!

Dies scheint mir auch die richtige Stelle zu sein für die grandiose Verpflegung im Hause der Odenwaldstraße zu danken. Eine solche Gastfreundschaft, bei der man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hat fehl am Platze zu sein (selbst wenn man morgens Leute mit Lockenwicklern in der Küche antrifft), habe ich selten erlebt. Vielen, vielen Dank dafür, ich freue mich schon auf das nächste mal!

Auch nach dem Lauf kam meine Frage noch einmal auf „Warum tue ich mir das an?“. Es war der Zeitpunkt, als mir Matthi mein viertes Steak auf den Teller legte...

Vielen dank für ein richtig geiles WNSL Wochenende!

1 Kommentar:

4565 hat gesagt…

Zum Titel:
Wer Willi Nickel ist, konnte ich inzwischen tatsächlich herausfinden. Wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt, werde ich dann in einem meiner nächstne Posts mal verraten!

Zum Inhalt:
Über die Fremdbestimmung bei Laufanmeldungen hast du mir ja bereits eine Lektion erteilt! Ich versuche es auf jeden Fall einzureichen - könnte klappen, aber das weiß ich wirklich erst Anfang Oktober! Für alle die keine Ahnung haben wovon ich rede:
http://www.drei-bruecken-lauf.de/
@all: Da heißt es mal fleissig mitmachen, gell?!?

Danke für diese äußerst gelungene Gästeblog-Premiere!!!