Montag, 25. August 2008

Bonn II

Nun, sportlich ist an diesem Wochenende (verletzungs- bzw. ermüdungsbedingt) garnichts passiert. So gesehen ist es kein Problem, dass ich schon zum zweiten Mal (nach meinem April-Besuch) einen kompletten, wertvollen Post meines Blogs einem Besuch in der Ex-Bundeshauptstadt widme. Dass es nun ausgerechnet der prestigeträchtige 100. Post wird, hat das elende Pack zwar eigentlich nicht verdient, aber das kann ich halt jetzt auch nicht ändern! Man hört es schon raus: ich war nicht zum Spaß im „grossen Kanton“, sondern (ganz im Gegenteil) um abermals Tobi & die anderen Geissbockanbeter aus Godesberg zu besuchen. Aber wie immer: alles der Reihe nach!

Auf dem Heimweg aus der Schweiz machte ich wie angekündigt einen Zwischenstopp bei City-Sport in Lörrach. Entgegen meinem eigentlichen Plan tauschte ich mein zuletzt gekauften Schuhe aber nicht um, sondern kaufte mir einmal mehr ein zusätzliches Paar. Der Verkäufer empfahl mir aufs Heftigste, meine bisherigen Schuhe zu behalten. Er hätte mir die gleichen wieder verkauft, da sie für so starke Überpronierer (Einknicker, d.Red.) wie mich die besten sind. Er war sich auch zu 100% sicher, dass mein Blasenproblem von den Einlagen kommt und empfahl mir, zunächst nochmal die Dinger anpassen zu lassen.

Die zusätzlichen Schuhe, die ich jetzt habe, kommen aus dem Hause „Saucony“ (kannte ich ebenfalls nicht) und haben eine ähnlich starke (Überpronations-) Stütze wie die „Brooks“. Naja, werde sie die nächsten Tage dann mal hier vorstellen – wie gehabt...

Auf dem Heimweg holte ich noch in Mannheim meine Karte fürs sonntagliche Kölle-Spiel ab und verbrachte dann den Abend (ernährungsplanignorierend) mit Conny und Markus! Als ich Abends heim bin und etwa 30 Meter durch den Regen zu meinem Auto rennen musste, merkte ich, dass ich ganz komische Schmerzen in den vorderen Oberschenkeln hatte. Fühlte sich an wie ein Muskelkater, aber mit Faktor 1000. Sowas habe ich definitiv noch nie in meinem Leben gehabt; wie ich heute weiss, handelt es sich dabei um eine Muskelverhärtung. Da ich das aber am Freitag Abend noch nicht wusste, war ich für meinen Samstagslauf noch ziemlich zuversichtlich.

Als es dann aber circa 7 Stunden später losgehen sollte, merkte ich, dass doch ÜBERHAUPTNIX ging. Als ich loslief hatte ich immer noch die Schmerzen. Ich hielt sie aber für einen Muskelkater und wollte den (auch wenn man das eigentlich nicht machen sollte) einfach rauslaufen. Wurde aber mit jedem Meter schlimmer, sodass ich die Sache dann nach einem Kilometer abbrach und wieder heimging. Hat mich zwar ziemlich abgefuckt, da ich so mindestens 4 trainingsfreie Tag in folge hatte, aber ich konnte es nun mal nicht ändern. Von nun an brannten meine Beine auch wie nach ner Alpe D`Huez Sprintankunft – sogar noch 3-4 Stunden nach meinem Laufversuch.

Naja, dann ging es erstmal nach Darmstadt und von da weiter nach Bonn, wo ich gegen 13 Uhr einrollte. Schon als ich Tobi und Jonas sah, wollte ich eigentlich wieder direkt zurück fahren, aber da ich ja am Sonntag die Eintracht sehen wollte behielt ich meine Stimmung für mich...

Den Nachmittag verbrachten wir standesgemäss mit der Bundesliga-Konferenz und reichlich ungesunder Ernährung. In Punkto Ernährung sollte das auch das ganze Wochenende so bleiben. Die Schnittmenge zwischen der Woche zuvor und der Zeit von Freitag bis Sonntag war mal original 0,0. Aber ohne jede Übertreibung. Das ganze Wochenende habe ich halt mal auch GARNICHTS gesundes gegessen, evtl. mit Ausnahme der Mehrkornbrötchen, die wir Sonntags Morgens bei Gülcans Schwiegervater gekauft haben. Aber ich will mich nicht beschweren. Hatte ja drei Ernährungsplan-Aussetzer angekündigt. Zwei habe ich jetzt schon hinter mir…

Gegen 20.30 Uhr gingen wir dann von Jonas zu Joscha, wo wir einen (später rege genutzten) Pavillon aufbauten. Als dann die Vor-Feierlichkeiten zu Joschas Geburtstag losging, wurde ich erstmal gemassregelt und als Schleimer betitelt, weil ich mich nach meinem letzten Bonn-Besuch vor 4 Wochen wohl ein wenig zu „positiv“ über die Leute da geäussert habe. Tschuldigung, war nicht so gemeint. Ich will auf keinen Fall als Schleimer durchgehen! Richtigstellung: Alles totale Penner, die sich da im Freundeskreis vom Joscha tummeln. Echt zum kotzen dieses Zigeunerpack, kann mir kaum vorstellen, dass ich wirklich nach Bonn ziehe wenn ich aus der Schweiz weggehe. Das ist ja echt nicht zu ertragen da. Wer will bitte schön mit so Leuten zusammen in ner Stadt leben? Dann doch lieber Salzgitter, Castrop-Rauxel oder Zwickau.

Als Joscha dann endlich Geburtstag hatte bekam er von „uns“ (uns klingt jetzt komisch, weil ich mich ja nur ungern zu dieser Zigeunerbande von Joschas Freunden zähle, aber ist jetzt egal) einen Gutschein für neue Laufschuhe. Ich denke mal, der Junge wird den Gutschein umgehend einlösen und dann aber mal RICHTIG durchstarten. Also Joscha: Nachmeldungen für den Frankfurt Marathon sind bis 25. Oktober möglich. So lange müssen wir aber nicht warten. Ich würde folgendes vorschlagen: ich melde dich einfach dort an. Solltest du das NICHT wollen, gib mir bitte bis morgen Vormittag (26.08.2008) um 10.30 Uhr bescheid! Ansonsten gehe ich fest davon aus, dass du dabei bist!!!

Nachdem Tobi und ich den Gegenwert unseres Geschenkanteils in Form von Kölsch und Chili konsumiert hatten, verabschiedeten wir uns und rannten zum Nachtbus. Wobei rennen ein nettes Wort dafür ist. Ich sach mal, wenn uns ein Scout beobachtet hätte, hätte der mich direkt geworben; für die Paralympics. Ey, ich konnte echt so was von gar nicht laufen. Meine Oberschenkel waren einfach nur komplett hin. Scheiss Muskelverhärtung...

Da wir schon um kurz vor 3 daheim waren, konnten wir uns richtig ausschlafen. Gegen 12 standen wir auf und frühstückten. Vorher beim duschen ergab sich wieder mein typisches Tobi-Wohnung-Dusch-Problem. Sobald ich mich in der 0,5m²-Dusche nach dem Shampoo bücke, verstellte ich mit meinem Rücken den Temperaturregler, was (je nachdem) ein schmaler Grad zwischen Erfrierungen und Verbrennungen ist. Zeigt ja eigentlich nur wieder, wie gefährlich es sein kann, sich beim Duschen (nach der Seife) zu bücken… Aber ich komm vom Thema ab! Nach dem obligatorischen Fleischwurst-Frühstück ging es dann los nach Köln, wo wir vor dem Spiel noch einen Umtrunk im „Tiebolds Eck“ einnahmen. Gewohnt ruhig und gelassen sass ich vor meinem Kölsch und sah entspannt dem Anpfiff entgegen. Während die Kölner die ganze Zeit rumstressten und zum Stadion wollten. Oder war es umgekehrt? Keine Ahnung, weiss ich nicht mehr genau. Naja, nachdem ich meine Fingernägel dann bis aufs Nagelbett runtergekaut hatte, hatte die Hennes-Fraktion ein Einsehen und wir brachen zum Stadion auf.

Selbstverständlich blendete ich an diesem Tag mal wieder aus, dass der FC eventuell doch ganz in Ordnung ist. Entsprechend war ich eigentlich schon ab der Ankunft in Köln Süd vom kleinen Zeh bis in die Haarspitzen voll mit Hass auf den 1. Fußballclub Köln. Und diese Skala (man könnte fast sagen: dieses Barometer) stieg mit jedem Meter, dem wir dem Stadion näher kamen noch immer weiter an. Um 16.45 Uhr trennten sich dann unsere Wege. Ich ging zu den Guten, die anderen in die Südkurve.

Vor dem Spiel wartete dann ein Kölner Kinderchor mit dem Absingen der üblichen Kölner Stadionlieder auf; was im Übrigen wohl auch die ganzen belgischen Autos auf dem Parkplatz erklärte. Aber mal im Ernst: das war absolut peinlich. Ich verstehe nicht wie sich ein Verein mit solch einer Aktion oder aber auch mit der Fanbox, rsp. dem Fanbett (???) so dermassen der Lächerlichkeit preisgeben kann. Naja, wenigstens im Gästeblock liegen sich zu solchen Anlässen alle vor Belustigung weinend in den Armen...

„Wenn nicht jetzt, wann dann“ war das Stichwort, dass die Dreijährigen vor dem Spiel gesungen hatten. Vorerst bleibt es für uns beim „dann“. Ich bin mir sicher: wir werden niemals in Köln gewinnen!!! Das Spiel war dann absolut bemerkenswert. Die ganzen Chancen in den ersten 30 Minuten kann ich gar nicht alle aufzählen. Was aber leider nicht daran lag, dass es so viele waren, sondern dass es schlichtweg keine gab! Was wir spielten war die absolute Frechheit; Gott sei Dank war der FC aber auch schlecht wie die Nacht. Hätte aber alles schnell vorbei sein können, wenn die Kölner ihren Strafstoss gemacht hätten. So blieb es dann bis zum Ende spannend. Wobei die Frage erlaubt sein muss, wie die Eintracht mit solchen Leistungen in der Liga bleiben will. Der durchschnittliche Eintracht-Spieler lebt wohl im Glauben, dass ein erfolgreicher Zweikampf ist, wenn man den Gegenspieler sieht, oder zumindest grob dessen Aufenthaltsort kennt. Es ist einfach nur traurig diesem Treiben zuzusehen, wobei gestern wirklich eines der schlimmsten Spiele war, dass ich in den letzten 3 Jahren erleben musste.. Wobei: wir sind zu schlecht, wir sind zu dumm und wir kämpfen nicht. Ansonsten kann man unseren Jungs aber keinen Vorwurf machen; alles tip top; Daumen hoch!!! Der FC auf der anderen Seite konnte hingegen mit seiner Aufstellung glänzen. Da Thomas Broich wohl am Sonntag seinen Turnbeutel vergessen hatte, musste Marvin Matip die Rolle des Quotendeutschen übernehmen! Ansonsten standen halt einfach 10 Ausländer auf dem Platz, wenn ich mich nicht täusche sogar 10 verschiedene Nationen. Die drei Einwechselspieler machten es dann auch nicht deutscher. Wie identifiziert man sich eigentlich mit so nem Verein? Aber egal...

Auch sonst war nicht alles bestens. Was den Support anging war es sowohl quantitativ, als auch qualitativ wohl unser schwächster Auftritt in Köln. Der Feind war 25 Minuten einigermassen zu hören, stellte dann aber die Stimmung auch weitgehend ein. In bester „we only sing when we’re winninge“-Manier ging es bei uns erst 9 Minuten vor Schluss mit dem Ausgleich nochmal richtig zur Sache. Generell muss ich auch mal sagen, dass das Klientel immer schlimmer wird; und immer jünger. Was da so alles in den Block gelassen wird, ist schon wirklich verwunderlich. Ich würde im Übrigen gerne mal die Drogenfahndung durch so nen durchschnittlichen Frankfurter Gästeblock schicken. Ich bin mir sicher, die Drogenhunde kämen da mit ner kompletten Reizüberflutung völlig verstört wieder raus.

Der Ausgleich fiel zwar etwas überraschend, aber eigentlich nicht unverdient, da der FC in Halbzeit zwei praktisch NOCH weniger machte als wir. Erst nach dem Ausgleich war das Spiel dann eigentlich ansehnlich, da sich plötzlich so was wie ein offener Schlagabtausch ergab. Ich war mir sicher, dass noch ein Tor fällt – auf welcher Seite auch immer – aber wie gewohnt täuschte ich mich!

Fazit: ein Punkt; at least. Ich beschwere mich nicht darüber, schliesslich ist ein Punkt in Köln für mich wie ein Sieg. Und zumindest musste ich so nach dem Spiel nicht dem üblichen Grinsebacken-Komitee unter die Augen treten (oder in die Fresse). Anyway: mit so nem Punkt macht das Verabschieden viel mehr Spass als mit der üblichen Klatsche. So gesehen war alles gut!

Zum ersten Mal nach langer, langer Zeit gab es auf dem Vorplatz des Stadions auch keine Rennereien; wie gesagt: Muskelverhärtung! Lag aber wahrscheinlich an der überragenden Polizeitaktik, die vorsah, dass man nicht auf normalem Wege aus dem Block durfte, sondern über einen etwa 100 Meter langen Umweg. Keine Ahnung, ob die Bullen in ihrer Taktikbesprechung nur den Plan falsch rum gehalten hatten, oder ob dieser 100 Meter Umweg wirklich verhindern sollte, dass Kölner und Frankfurter aufeinandertrafen. Wie so oft macht alles nicht wirklich Sinn. Schlimmerweise mussten wir so durch den Ausgang „Marathontor“ nach draussen, was mich direkt wieder mit dem schlechten Gewissen daran erinnerte, dass ich eigentlich in diesem Moment irgendwo hätte Kilometer abspulen sollen... Nach Abpfiff trafen wir uns kurz noch mit den Kölnern und machten uns dann auf den Weg Richtung Heimat. Fabian und Kilian parkten in welcher Strasse? Rrrrrüschdisch, in der Marathonstrasse. Langsam aber sicher bekam ich dann schon ein mulmiges Gefühl!!! Die Heimfahrt war unspektakulär, davon mal abgesehen, dass uns der Eintracht-Bus wie immer (IMMER, IMMER, IMMER!!!) noch vor Ortsausgang überholte. Es stellt sich echt die Frage, ob die Jungs nachm Spiel duschen... Ach ja, und natürlich kam ich haargenau so zu Hause an, dass ich die DSF-Zusammenfassung vom Spiel exakt verpasste!

Fazit: wenn ich ehrlich bin muss ich halt doch sagen, dass Bonn/Bad Godesberg an diesem Wochenende wieder einiges an Standortwerbung betrieben hat – ob sie’s wollen oder nicht! Aber bevor ich wieder der Schleimer bin, bedanke ich mich einfach bei Tobi, Jonas und Joscha für die Gastfreundlichkeit und die Einladung! Übrigens Jonas: hab ganz verplant, die Pizza zu bezahlen. War keine Absicht und ich werde mich natürlich bei nächster Gelegenheit revanchieren!

Heute Nacht habe ich in Seeheim gepennt und war hatte eigentlich um 10 Uhr einen Termin bei meinem Patenkind. Da aber Baby Ben ebenso erkrankt ist wie Andrea (GUTE BESSERUNG!!!) fiel das leider aus. Auf dem Heimweg kaufte ich in der Apotheke noch etwas gegen Muskelverhärtungen. Das Zeug heisst „Retterspitz äusserlich“ und man tränkt irgendwelche Stofffetzen darin, um dann Umschläge für die betroffenen Körperteile zu machen. Auf der Packung wird damit geworben, dass „Profifussballer Andres Wolf auf die Produkte von Retterspitz vertraut". Andi Wolf??? HALLO??? Alles klar, ich sach nur: ABSTEIGER!!! Ausserdem hilft ihm Retterspitz bei seinem Kreuzbandriss wahrscheinlich auch nicht. Da kann der Junge sein Knie wahrscheinlich reintauchen, bis es schimmelt. Aber gut, lassen wir Andi Wolf auch ein paar Mark dazuverdienen!

Seit 12.30 Uhr bin ich wieder in der Schweiz, war kurz im Büro und wollte dann eigentlich heute Abend laufen. War allerdings immer noch nicht zu machen, weshalb ich dann das Retterspitz-Zeug direkt mal zum Einsatz brachte. Mit meinen ganzen anderen komischen Cremes und dem Bad, dass ich vorhin genommen habe, hoffe ich morgen wieder am Start sein zu können. Am liebsten würde ich vor der Arbeit laufen. Ich werde es in jedem Fall probieren, aber alles weitere bleibt abzuwarten...

[Copyright der Photos: sge4ever.de]

Keine Kommentare: