Jaja kann man mal sehen: es hat bei mir derzeit ne ganze Menge Premieren. Heute stand erstmals ein Intervalltraining auf dem Plan, und das hatte es wortwörtlich in sich. Überhaupt war heute ein extrem ereignisreicher Tag. Ich habe neue Laufschuhe, neue Anti-Blasen-Laufsocken, einige neue Erkenntnisse und so weiter und so fort. Aber da ich morgen sowieso nur schwimmen gehe und entsprechend nicht allzu viel zu erzählen haben werde, berichte ich davon einfach morgen und gehe heute mal nur auf das Intervalltraining ein.
Den Sinn (Superkompensationseffekt & Wettkampfhärte) hatte ich ja schon mal erläutert, ebenso die praktische Vorgehensweise (Mischung aus sehr schnell & sehr langsam). Das ist natürlich alles Theorie, umso erfreulicher, dass ich heute mal zur Praxis gefunden habe. Es standen 7 x 400m – Intervalle auf dem Plan. Also immer 400m schnell, und dann 400m langsam, bis der Puls auf ein gewisses Maß sinkt. Davon 7 Durchgänge.
Das schwierigste war eigentlich, eine vernünftige 400m-Bahn zu finden. In Seeheim wär ich einfach ins Christian-Stock-Stadion gegangen – FERTIG AUS. Aber ich bin nun mal nicht in Seeheim und hier unten gibt es keine öffentlichen Stadien. Die einzige 400m-Tartan-Bahn, die ich hier kenne gehört dem FC Brugg und ist (ganz im Stile vom Berliner Olympiastadion) in blau gehalten:
Anyway, da ein Zaun aussen rum ist, kommt man wohl nur als FCB-Mitglied rein. Das macht für mich aber keinen Sinn, so ne Bahn brauche ich ja maximal 2-3 Mal. Als ich meine Kollegen nach einer öffentlich zugänglichen 400m-Bahn fragte, war die einstimmige Antwort: FINNENBAHN.
Jetzt stellt Ihr Euch vermutlich die Frage: was ist eine Finnenbahn? Nun, das tu ich ebenfalls, denn ich habe keine Ahnung. Mein Chef erklärte mir das als eine 400m-Bahn (vergleichbar mit einer normalen Tartanbahn), die aus einem ganz speziellen, knochen- und gelenkschonenden Material ist und irgendwo in der Pampa gebaut wird, damit alle Leute dort gesund laufen können. Aus was das Material aber ist, konnte er nicht erklären. Sobald man konkret werden muss, tun sich Schweizer extrem schwer; das kann man wirklich pauschal sagen. Hier ist einfach alles nur „speziell“. Zurück zur Finnenbahn: habe mir mal bei „Google Pics“ ein paar Bilder angeschaut. Das Material sieht aus, wie ne Mischung aus Sägespähnen und Rindenmulch. Hier mal ein neutrales Bild, aber da gibt’s auch echt ganz arg peinliche Bilder mit ganz arg peinlichen Leuten...
Naja, jedenfalls habe ich mich hier dann auf die Suche nach ner Finnenbahn gemacht. Gemäss Internet sollte es auch im Brugger Wald eine geben. Daher machte ich mich nach den Simpsons auf den Weg nach Brugg und auf eine endlose Suche nach diesem verdammten Ding. Gemäß Internet sollte da (wo auch immer) eine Finnenbahn UND ein Vita Parcours (die schweizer Antwort auf das, was wir einen Trimm-Dich-Pfad nennen) sein. Ich wurde von Passanten nach Nord und Süd, nach West und nach Ost geschickt, bis ich später zur Erkenntnis kommen musste, dass einige Leute wohl die Begriffe Finennbahn und Vita Parcours als Synonyme verwenden. Anyway, ich gab die Suche nach dieser exakt abgesteckten 400m-Strecke auf und beschloss, mir selbst eine 400m-Strecke auszumessen. Da ich aber nun schon mal am Vita Parcours war, lief ich dort eine Runde zum Aufwärmen, allerdings ohne die Übungen an den Stationen durchzuführen. Nach ungefähr 100 Meter laufen, stolperte ich allerdings über ne asoziale Wurzel und flog erstmal gepflegt SOWAS von auf die Fresse. Mannmannmann, war ich froh, dass das keiner gesehen hat – OBERPEINLICH. Aber innerhalb von ner Millisekunde hatte ich mich auch schon wieder aufgerappelt und war wieder unterwegs. War aber dank der ganzen Wurzeln eher ein Hindernislauf und mir persönlich war die Verletzungsgefahr viel zu hoch, als dass ich das nochmal machen würde. Geil, und sowas nennt sich dann „Vita Parcours“…
Als ich die Runde durch hatte, checkte ich meinen Fitness-Zustand am Vita-Parcours-Aushang. Ausgezeichnet = 14 Minuten, Gut = 16 Minuten, Befriedigend = 18 Minuten. Das waren die angegebenen Zeiten OHNE ÜBUNGEN. Ich checkte meine Uhr und konnte 10:19 Minuten vorweisen. Also entweder ich bin versehentlich nen Umweg gelaufen, oder aber die Tafel nimmt Wachkomapatienten als Referenz. Ganz, ganz seltsam…
Nun war ich bereit für meine Intervalle und lief (nach bestem Wissen und Gewissen) eine 400 Meter lange Strecke ab. Obs wirklich 400 waren, werde ich am Sonntag mal mitm Fahrrad ausmessen. Bin gespannt. Die Strecke war leider nicht ganz eben. Daher beschloss ich, die schnellen Sektionen bergauf zu machen, und die Pulsberuhigung bergab. Andersrum wäre es denke ich etwas witzlos gewesen.
Alter Schwede, das hat aber mal gebrannt!!! Schon nach den ersten 400 Metern war ich ziemlich fertig, nach dem zweiten Durchlauf war ich ziemlich im Arsch und ab der dritten komplett alle. Nach dem ersten Sprint noch nen Puls von 171, der sich nach der Beruhigungs-Sequenz auf 157 senkte. Das wurde aber beides immer höher. Später hatte ich am Ende des schnellen Laufs nen Puls von 187, der sich auch nach dem langsamen Teil nicht mehr unter 169 senken ließ. Zum Ende hin senkten sich dann aber auch beide Geschwindigkeiten. Schnell ging einfach immer schwieriger und beim langsamen Teil machte ich wirklich SO LANGSAM ICH NUR IRGENDWIE KONNTE. Klassisches Zeitspiel halt…
In der letzten Sprint-Runde gab ich nochmal alles, wobei mir dann auch etwas schwindlig und dunkel vor Augen wurde. Ein eindeutiges Zeichen, dass ich genug für heute hatte. Fazit: Intervalltraining ist echt asozial. Das einzig positive an den Abschnitten mit höherem Tempo ist wirklich nur, dass sie schneller vorbeigehen als die langsamen :-)
Wettkampfhärte gibt das sicherlich, da würde ich drauf wetten. Auch wenn es kurzfristig erstmal nur Schmerzen verursacht. Allerdings jetzt, etwas 1,5 Stunden nach dem Lauf, geht es mir eigentlich wieder richtig gut und ich bin sogar ein kleines bisschen stolz auf mich. Ja, tschuldigung… Trotzdem bin ich froh, dass ich das nicht jeden Tag machen muss. Gute Nachricht noch zum Schluss. Die Schuhe haben mitgemacht, keine Blasen. Allerdings bin ich jetzt auch mit Anti-Blasen-Socken und Blasenpflastern gelaufen. Kann ja auch nicht der Standard sein! Laufdaten: Zeit (für etwa 14 x 400 = 5600 Meter war 30:31 Minuten, durchschnittlicher Puls lag bei 171, maximaler Puls bei 187.
Morgen zur Entspannung 60 Minuten Schwimmen. Da freue ich mich wirklich drauf, denn ich brauche mal ne kleine Erholung! Morgen berichte ich dann auch über meine heutige Einkaufssession. Jetzt muss ich mal was zu Abend essen – 22.15 Uhr, typische Zeit dafür!
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